Ein Helfer des Todes

Frage von C. an den Tod

– Gestern Abend sprach ich mit meinem Mann über den Tod. “Was würdest du ihn fragen” fragte ich ihn. “Wie er zu dem Job gekommen sei” antwortete er.

Zuerst musste ich laut lachen. Doch dann überlegte ich weiter. Wenn, wie im Buch erklärt, Gott den lebenden Menschen zur Seite steht und der Tod sie aus dem Leben abholt, wie hängt das dann zusammen. Sind die beiden ein Team? Und wenn ja, gibt es jemanden der dieses Team leitet? Oder sind die beiden dieselben nur im anderen Gewand. Wie hängt das zusammen?

Und bei der vielen Arbeit die der Tod hat, da braucht er doch sicher Unterstützung überlegte ich dann für mich weiter. Eine Sekretärin hat er ja schon, nämlich die Frau Klein. Gott hat ja so seine Helfer auf Erden, der Tod könnte doch sicher auch welche gebrauchen. Ich wäre da bereit zu. Das ist eine wichtige Aufgabe finde ich. Also, was könnte ich tun. Was denkt der Tod, könnte ich hier auf Erden tun, damit die Menschen sich ihm besser anvertrauen können.

Herzliche Grüße aus dem Herbst auf Erden

kn

Antwort vom Tod

Liebe C., lieber Ehemann,

wie bin ich zu meinem Job gekommen? Nun, wie ihr euch vorstellen könnt, bin ich auf keine Berufsmesse gegangen, habe keinen Eignungstest bestanden und dann meine Gehaltsvorstellungen ausgehandelt. Die Menschen nach ihrem gelebten Leben abzuholen, sie an die Hand zu nehmen, und ihnen auf ihrem nächsten Schritt zur Seite zu stehen, ist kein Job in dem Sinne, wie Menschen Jobs verstehen. Ich habe mich nicht dazu entschieden, der Tod zu sein. Ich BIN der Tod. So, wie das Meer, das Meer ist. Der Duft der Blumen, der Duft der Blumen, oder ein Mohnkuchen, ein Mohnkuchen ist und bleibt.

Und diese Feststellung bringt mich gleich zu eurer nächsten Frage. Welchen Platz nimmt Gott in dieser Gleichung ein? Wie ihr euch vorstellen könnt, arbeitet auch Gott nicht als Gott, er IST Gott. Und ja, in gewisser Hinsicht sind wir dieselben, nur in anderem Gewand. Gott ist die eine Hälfte des Kreises, ich bin die andere. Wir bilden eine Einheit, können nicht getrennt werden, denn ein Leben ohne Tod existiert nicht. Wir sind wie das klassische Yin und Yang. Heiß, kalt. Ja, nein. Tee, oder Kaffee. Gott und Tod. Bis in die Ewigkeit miteinander verbunden. Beide aus Licht bestehend, doch am jeweils anderen Ende des Spektrums angesiedelt.

Und wer leitet dieses Team? Diese Frage hat mich ein wenig schmunzeln lassen. Die Frage nach dem Geschäftsführer. Wem kann ich schreiben, wenn ich mit dem Service nicht zufrieden bin? Wer sitzt ganz oben, am Ende der Hierarchie? Die Frage ist so einfach, wie weitreichend: Ihr selbst. Ihr seid es, die euer Leben bestimmen. Ihr seid es, die den freien Willen haben alles zu tun, oder zu lassen, was ihr wollt. Gott wird euch nicht reinreden, und ich werde euch nicht reinreden. Nur eins ist sicher, Gott wird euch immer lieben und ich werde immer für euch da sein, euch meine Hand reichen, wenn eure Zeit gekommen ist, weiterzuziehen.

Und nun C., zu deinem offenherzigen Angebot, einer meiner Helfer auf Erden zu werden. Liebe C., es ist dir vielleicht nicht bewusst, aber du bist bereits einer meiner Helfer. Du hast mich schon oft verflucht. Hast mit mir gehadert, mich verwünscht und totgeschwiegen. Doch trotz allem, hast du mich kennenlernen wollen. Du erzählst anderen von mir, wie du mich empfunden hast, wie du mit mir zu leben gelernt hast, und gelernt hast, mich in gewisser Weise zu verstehen und zu akzeptieren. Einen größeren Dienst kannst du deinen Lieben und deinen Mitmenschen nicht erweisen, als den, ihnen dabei zu helfen, den Tod nicht zu fürchten, sondern zu besprechen. Ich fühle mich geehrt, dich als meinen Helfer zu haben! Hochachtungsvoll,

Der Tod

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